Warum XPeng sein Flugauto ausgerechnet in BMWs Heimatstadt vorstellte

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Warum XPeng sein Flugauto ausgerechnet in BMWs Heimatstadt vorstellte

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Am 16. Juli 2026 stand ein chinesisches Unternehmen in einem Kongresssaal in München — der buchstäblichen Wiege des Automobils — auf der Bühne und enthüllte ein Auto, das fliegen kann. Das war kein Zufall. Es war ein Statement.

XPeng brachte seinen „Land Aircraft Carrier“ — das sechsrädrige Bodenfahrzeug mit abnehmbarem, zweisitzigem eVTOL-Modul — zum ersten Mal nach Europa, gemeinsam mit der weltweiten Markteinführung seines neuen Elektro-SUV Mona L03. Das Flugauto war bereits zuvor in Haikou, China, geflogen und hatte seinen ersten internationalen Flug im vorangegangenen Oktober in Dubai absolviert. Doch München markierte etwas anderes: Es war das erste Mal, dass XPeng das Fahrzeug einem westlichen Publikum präsentierte — ausgerechnet in der Stadt, die fast als Synonym für die Automobilherstellung gilt.

Elektro-SUV Mona L03

Die Stadt war die Botschaft

München ist kein zufälliger Halt auf einer weltweiten Roadshow. Es ist BMWs Heimatrevier, die spirituelle Hauptstadt der europäischen Autoindustrie, und die Kulisse, vor der chinesische Autohersteller ihren Auftritt immer öfter inszenieren. XPeng hatte die Stadt bereits einmal zuvor genutzt — das Münchner Forschungs- und Entwicklungszentrum, eröffnet im September 2025, war das erste des Unternehmens außerhalb Chinas, und es war auf der IAA Mobility im selben Monat, in derselben Stadt, dass CEO He Xiaopeng zum ersten Mal andeutete, dass Europa als Nächstes an der Reihe sei. Das Münchner Debüt des Flugautos war nicht der Eröffnungszug; es war die Krönung eines Plans, den man fast ein Jahr lang ausgeheckt hatte.

Es liegt eine gewisse Ironie darin, dass ein chinesischer Neuling seine kühnste Behauptung — dass er ein Flugauto in Serie produzieren kann — ausgerechnet ein paar Kilometer von dem Ort entfernt aufstellt, an dem BMW seit einem Jahrhundert erdgebundene Autos baut. Und BMWs eigene Geschichte macht diesen Ort noch bedeutungsvoller. Das Unternehmen begann tatsächlich mit dem Bau von Flugzeugmotoren, nicht von Autos, und wechselte erst zur Straße, weil der Versailler Vertrag Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg die Herstellung von Flugzeugmotoren untersagte.

BMW Flugzeugmotor

Diese luftfahrthistorische Vergangenheit steckt auch in BMWs eigener Markenmythologie: Das blau-weiße Logo wird landläufig als ein sich drehender Propeller vor bayerischem Himmel gedeutet — eine Geschichte, die sich so hartnäckig hielt, dass BMW selbst irgendwann klarstellen musste, dass es sich dabei tatsächlich um einen Mythos handelt. Die Sektoren im Kreis stellen eigentlich nur die bayerischen weißblauen Rauten dar; die Verbindung zum Propeller schlich sich erst später ein, durch eine Werbeanzeige von 1929, und BMW machte sich nie die Mühe, das richtigzustellen, weil die Legende so gut zur Marke passte.

Werbeanzeige von 1929

Ein Auftritt in München ist für XPeng also nicht nur effiziente Logistik. Es ist ein chinesisches Unternehmen, das einem Rivalen, dem einst selbst der Himmel verboten wurde, auf dessen eigenem Terrain mitteilt, dass es jetzt derjenige ist, der etwas baut, das fliegen kann.

Von günstigen E-Autos zu gewagter Technologie

Jahrelang drehte sich die Geschichte chinesischer Autohersteller in Europa um den Preis — günstigere E-Autos, die deutsche und französische etablierte Marken unterboten. Die Veranstaltung in München war darauf ausgelegt, diese Geschichte umzuschreiben. Neben der Markteinführung des L03 gab XPeng bekannt, dass das Flugauto bereits mehr als 7.000 Vorbestellungen gesichert hatte — Berichten zufolge die meisten aller Flugauto-Hersteller weltweit — und dass eine eigens dafür errichtete Fabrik mit einer geplanten Jahreskapazität von 10.000 Einheiten einsatzbereit sei. Ob das Fluggerät auch nur annähernd davor steht, legal über deutschen Städten zu fliegen (das ist es nicht — eine behördliche Zulassung dafür liegt noch Jahre entfernt), spielte für die Ankündigung kaum eine Rolle. Sie richtete sich nicht wirklich an deutsche Luftfahrtbehörden. Sie richtete sich an weltweite Schlagzeilen, an Investoren, und an ein westliches Publikum, das chinesische Automarken immer noch eher als Billigalternativen denn als Technologieführer betrachtet.

Ein Flugauto neben einem gewöhnlichen Familien-SUV zu platzieren — und das ausgerechnet in München — erlaubte XPeng, ein ganzes Argument in einem einzigen Bild zu vermitteln: Dies ist kein Unternehmen, das allein über den Preis konkurriert. Es ist ein Unternehmen, das wahrgenommen werden will als Wettbewerber um Ambition — dieselbe Ambition, die sich BMW, Mercedes und Audi seit Jahrzehnten als exklusiv für sich beanspruchen.

Ein Muster, kein Einzelfall

Die Veranstaltung in München fügt sich in ein breiteres Muster chinesischer Hersteller im Jahr 2026 ein: der simultane Einzug in westliche Märkte gleich über mehrere Produktkategorien hinweg — günstige E-Autos, Premium-SUVs, Robotaxis, humanoide Roboter und nun auch Fluggeräte — statt Produkt für Produkt einzeln vorzustellen. XPeng brachte sogar seinen humanoiden Roboter Iron auf die Bühne, neben dem L03 und dem Flugauto, wodurch die Veranstaltung in München weniger einer Produkteinführung als einer Technologie-Leistungsschau glich.

Ob der Land Aircraft Carrier jemals tatsächlich auf einer europäischen Einfahrt landet, ist fast nebensächlich. Indem XPeng München wählte, sorgte das Unternehmen dafür, dass das Bild eines Flugautos, das sich die Bühne mit den Schlagzeilen aus der Heimatstadt eines BMW-Rivalen teilt, weit über jeden 30-Kilometer-Testflug hinaus die Runde machen würde.

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